Indonesien beschleunigt Umstieg auf Elektromobilität

Indonesien beschleunigt Umstieg auf Elektromobilität

Mit einem ambitionierten Plan zur Bekämpfung von Luftverschmutzung und Klimawandel positioniert sich Indonesien zunehmend als Vorreiter der nachhaltigen Mobilität in Südostasien. Die indonesische Regierung hat in den letzten Jahren eine umfassende Strategie zur Förderung der Elektromobilität entwickelt, die sowohl industriepolitische Maßnahmen als auch technische Vorschriften umfasst. Ziel ist es, eine autarke Elektrofahrzeug-Industrie aufzubauen, die nicht nur zur Reduzierung von CO₂-Emissionen beiträgt, sondern auch die nationale Wertschöpfungskette stärkt und ausländische Direktinvestitionen anzieht. Dieser strategische Kurs ist Teil eines breiteren Ziels, bis 2060 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, wie es in der langfristigen Klimastrategie Indonesiens (Indonesia LTS-LCCR 2050) festgelegt ist.

Die Grundlage für diese Transformation wurde mit der Verordnung des Präsidenten Nr. 55 aus dem Jahr 2019 gelegt, die den Titel „Beschleunigung des Programms für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge im Straßenverkehr“ trägt. Diese wegweisende Regelung legte den rechtlichen Rahmen für die Entwicklung der Elektrofahrzeugindustrie und betonte dabei die Notwendigkeit einer hohen lokalen Wertschöpfung. Zentraler Bestandteil ist die Vorgabe zur Nutzung inländischer Komponenten, bekannt als Tingkat Komponen Dalam Negeri (TKDN). Hersteller von Elektrofahrzeugen und deren Zulieferer müssen bestimmte Mindestquoten an lokal produzierten Teilen erfüllen. Ursprünglich sah die Verordnung vor, dass ab 2022 ein lokaler Bezug von 40 % erreicht werden muss. Diese Anforderungen wurden durch die aktualisierte Präsidentenverordnung Nr. 79 aus dem Jahr 2023 weiter verschärft. Demnach müssen die TKDN-Quoten bis 2026 bei 40 % liegen, bis 2029 auf 60 % steigen und ab 2030 mindestens 80 % betragen. Diese stufenweise Erhöhung soll ausländische Investoren ermutigen, langfristig Produktionsstätten im Land aufzubauen, anstatt lediglich Fahrzeuge einzuführen.

Ein entscheidender Hebel für die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen ist die steuerliche Förderung. Die indonesische Regierung hat ein mehrschichtiges System an Steueranreizen geschaffen, das sowohl Hersteller als auch Endverbraucher anspricht. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Anpassung der Luxussteuer (PPnBM). Durch die Regierungsvorschrift Nr. 73 aus dem Jahr 2019 wurde die Besteuerung von Fahrzeugen an deren Emissionen gekoppelt. Während die Steuer für sogenannte „Low Cost Green Cars“ (LCGC) angehoben wurde, wurden reine Elektrofahrzeuge (BEV), Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEV) von der Luxussteuer befreit. Diese Regelung wurde 2021 durch die Regierungsvorschrift Nr. 74 weiter präzisiert. Danach bleibt die Steuer für BEVs und FCEVs bei null, während die Befreiung für PHEVs aufgehoben und die Steuer auf 15 % festgelegt wurde. Diese Unterscheidung unterstreicht die klare politische Priorität, die auf die Förderung vollständig elektrifizierter Antriebe gelegt wird, anstatt auf Technologien, die weiterhin Verbrennungsmotoren nutzen.

Für Endverbraucher wurden zusätzliche finanzielle Anreize geschaffen. Die Finanzministerverordnung Nr. 38 aus dem Jahr 2023 sieht eine teilweise Übernahme der Mehrwertsteuer (PPN) durch die Regierung vor. Für den Kauf eines vierrädrigen Elektrofahrzeugs mit einem TKDN-Anteil von über 40 % übernimmt die Regierung 10 Prozentpunkte der 11-prozentigen Mehrwertsteuer, sodass der Kunde nur noch 1 % zahlen muss. Für Elektrobusse mit einem lokalen Bezug zwischen 20 % und 40 % übernimmt die Regierung 5 Prozentpunkte, was die zu zahlende Steuer auf 6 % senkt. Diese differenzierte Förderung schafft einen starken Anreiz sowohl für Verbraucher, Elektrofahrzeuge zu kaufen, als auch für Hersteller, die lokalen Beschaffungsquoten zu erfüllen, um von den vollen Steuervorteilen zu profitieren.

Parallel zu den steuerlichen Anreizen fördert die Regierung auch Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die Finanzministerverordnung Nr. 153/PMK.010/2020 gewährt Unternehmen, die in Indonesien in den Bereichen Energieerzeugung, Batterietechnologie, elektrische Geräte und Elektrofahrzeuge forschen, eine sogenannte „Super-Steuerabzugsregelung“. Dies bedeutet, dass die Forschungsausgaben bis zu 300 % von den steuerpflichtigen Einkünften abgezogen werden können. Diese großzügige Maßnahme soll indonesische und ausländische Unternehmen dazu anregen, eigene Forschungszentren im Land einzurichten und Innovationen vor Ort zu entwickeln.

Ein weiterer kritischer Erfolgsfaktor für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen ist die Verfügbarkeit einer zuverlässigen Ladeinfrastruktur. Die indonesische Regierung hat hier eine klare Rolle definiert. Die staatliche Stromgesellschaft PT PLN (Persero) wurde durch die Ministerverordnung Nr. 13 aus dem Jahr 2020 des Energieministeriums zum offiziellen Betreiber und Koordinator für die Errichtung öffentlicher Ladesäulen ernannt. Diese Verordnung legt nicht nur technische Standards für Ladestationen und Batteriewechselsysteme fest, sondern regelt auch Sicherheitsaspekte der elektrischen Versorgung und die Preisgestaltung für Ladevorgänge. Diese zentrale Koordination durch einen staatlichen Akteur soll sicherstellen, dass die Infrastruktur flächendeckend und nach einheitlichen Standards aufgebaut wird, was für die Schaffung von Vertrauen bei den Nutzern entscheidend ist.

Die Zulassung und Zertifizierung von Elektrofahrzeugen in Indonesien erfolgt durch ein koordiniertes System mehrerer Ministerien, die jeweils für unterschiedliche Aspekte zuständig sind. Das Verkehrsministerium ist für die Typgenehmigung (SUT/SRUT) verantwortlich. Seine Behörde für Straßenverkehr prüft Fahrzeuge auf ihre Verkehrssicherheit und Leistung. Wichtige technische Vorschriften hierfür sind die Ministerverordnungen Nr. 44, 86 und 87 aus dem Jahr 2020. Diese legen detaillierte Prüfverfahren für Elektrofahrzeuge fest, darunter die Leistung der Batterie, den Schutz vor direktem und indirektem Berühren von spannungsführenden Teilen, die Isolationsprüfung und die Messung des Geräuschpegels. Diese Tests sind unerlässlich, um die Sicherheit der Fahrzeuge unter indonesischen Bedingungen zu gewährleisten.

Das Industrieministerium spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulierung von Fahrzeugkomponenten. Es hat die indonesische Nationalstandardbehörde (BSN) beauftragt, für bestimmte sicherheitsrelevante Teile die Einhaltung der indonesischen Nationalstandards (SNI) verbindlich vorzuschreiben. Diese sogenannte „Wajib SNI“-Zertifizierung ist für Produkte wie Sicherheitsglas, Reifen, Felgen, Schmierstoffe und Audio-Video-Geräte obligatorisch. So müssen beispielsweise Sicherheitsgläser der Norm SNI 15-0048-2005 (Amd1:2004) für gehärtetes Glas entsprechen, Reifen für Personenkraftwagen müssen SNI 0098-2012 erfüllen, und Schmierstoffe für Getriebe müssen der Norm SNI 7069-6:2021 genügen. Diese Vorschriften sollen die Qualität und Sicherheit von Ersatzteilen auf dem indonesischen Markt sichern.

Das Umwelt- und Forstministerium trägt durch die Festlegung von Emissions- und Geräuschgrenzwerten zur Umweltverträglichkeit bei. Die Ministerverordnung Nr. P.56/MENLHK/SETJEN/KUM.1/10/2019 legt strenge Lärmgrenzwerte für neue Fahrzeuge fest, was auch für die leisen Elektrofahrzeuge gilt, um die Akustik in städtischen Gebieten zu schützen. Schließlich ist das Ministerium für Kommunikation und Informatik für die digitalen und vernetzten Systeme in Fahrzeugen zuständig. Seine Vorschriften, wie die Ministerverordnung Nr. 16/2018 und die Direktorenverordnung Nr. 161/2019, regeln die technischen Anforderungen an drahtlose Kommunikationssysteme wie Bluetooth, RFID, NFC und DSRC. Alle elektronischen Geräte, die in Indonesien verkauft werden sollen, müssen vor der Markteinführung die SDPPI-Zertifizierung erhalten, eine Anforderung, die auch für Infotainmentsysteme und Fahrerassistenzsysteme gilt.

Trotz der umfassenden Regelungen gibt es Herausforderungen, insbesondere im Bereich der internationalen Harmonisierung. Der Großteil der indonesischen Standards basiert auf nationalen Entwicklungen und ist nicht vollständig mit internationalen Normen wie denen der UNECE oder ISO ausgerichtet. Diese Abweichung schafft technische Handelshemmnisse und erschwert die Markteinführung für internationale Hersteller, die ihre Fahrzeuge nicht für jeden Markt neu zertifizieren wollen. Beispielsweise unterscheiden sich die SNI-Standards für Reifen, Felgen und Sicherheitsglas von den europäischen oder japanischen Normen. Zudem sind wichtige Komponenten wie Sicherheitsgurte, Scheinwerfer oder Rückspiegel bisher nicht Gegenstand einer verbindlichen SNI-Zertifizierung, was Lücken im regulatorischen System offenlässt.

Dennoch gibt es positive Entwicklungen in Richtung einer stärkeren internationalen Vernetzung. Die Gründung des indonesischen Elektrofahrzeugverbandes Periklindo im April 2021 war ein entscheidender Schritt. Der Verband, der mittlerweile 15 Mitglieder zählt, darunter internationale Player wie SAIC-GM-Wuling Indonesia und Dongfeng Sokon, fungiert als Bindeglied zwischen Industrie und Regierung. Periklindo nimmt aktiv an politischen Konsultationen teil, unterstützt die Entwicklung technischer Standards und fördert die öffentliche Akzeptanz von Elektromobilität. Im Mai 2023 trat Periklindo dem ASEAN-Verband für Elektrofahrzeuge (AFEVA) bei, gemeinsam mit den Verbänden aus Malaysia und den Philippinen. Diese Mitgliedschaft zeigt einen wachsenden Willen zur regionalen Zusammenarbeit und zum Austausch bewährter Verfahren.

Ein weiterer strategischer Vorteil Indonesiens ist sein reicher Vorkommen an Nickel, dem weltweit größten Reserven. Nickel ist ein entscheidender Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien. Um diesen Rohstoffvorteil in industrielle Wertschöpfung umzuwandeln, verhängte die Regierung im Januar 2020 ein Exportverbot für rohes Nickelerz (Ministerverordnung Nr. 11/2019). Diese Maßnahme zwang ausländische Investoren, ihre Verarbeitungskapazitäten nach Indonesien zu verlegen. Dieser Politik ist es zu verdanken, dass Unternehmen wie Hyundai, LG Energy Solution und CATL massive Investitionen in integrierte Batteriefabriken in Indonesien getätigt haben. Indem das Land die Kontrolle über die vorgelagerte Lieferkette übernimmt, zielt es darauf ab, einen größeren Anteil am globalen Batteriemarkt zu erlangen, anstatt nur als Rohstofflieferant zu fungieren.

Diese ressourcenbasierte Industriestrategie wird durch gezielte Investitionsanreize ergänzt. Im März 2021 ersetzte die Regierung die bisherige „negative Liste“ für ausländische Investitionen durch eine „positive Liste“, die ausdrücklich Investitionen in der Elektrofahrzeugbranche fördert. Nach diesem Rahmenwerk können ausländische Elektrofahrzeughersteller 100-prozentige Tochtergesellschaften gründen und von erheblichen Steuervergünstigungen profitieren. Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 5 Billionen IDR (ca. 320 Millionen USD) können von Steuerbefreiungen für 5 bis 20 Jahre profitieren, gefolgt von einer 50-prozentigen Steuerminderung für zwei weitere Jahre. Kleinere Investitionen zwischen 1 und 5 Billionen IDR erhalten eine 50-prozentige Steuerminderung für fünf Jahre und 25 % für die folgenden zwei Jahre. Diese Anreize haben sich als äußerst wirksam erwiesen, um globale Player anzuziehen. So führte Präsident Joko Widodo im Frühjahr 2023 hochrangige Gespräche mit Elon Musk von Tesla über die mögliche Errichtung einer Fabrik in Indonesien.

Die Zukunft der indonesischen Elektromobilitätsstrategie hängt von der Fähigkeit ab, Offenheit mit lokaler Wertschöpfung, Innovation mit Regulierung sowie Ehrgeiz mit Durchsetzungsstärke zu verbinden. Obwohl das derzeitige politische Umfeld günstig ist, wird der anhaltende Erfolg kontinuierliche Verbesserungen in der Infrastruktur, der Ausbildung von Fachkräften und der regulatorischen Transparenz erfordern. Die Regierung muss sich auch mit Themen wie der Netzkapazität, dem Batterierecycling und dem gerechten Zugang zu Ladeinfrastruktur, insbesondere in ländlichen und abgelegenen Gebieten, auseinandersetzen.

Darüber hinaus wird mit dem Wachstum des heimischen Marktes der Druck zunehmen, die Standards international auszurichten. Die Erzielung von gegenseitigen Anerkennungsabkommen mit wichtigen Handelspartnern könnte das Exportpotenzial erheblich steigern und die Compliance-Kosten für Hersteller senken. Die laufenden Bemühungen um eine stärkere Normungskooperation innerhalb der ASEAN, unterstützt durch Initiativen wie das RCEP-Abkommen, bieten eine vielversprechende Grundlage für eine solche Harmonisierung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Transformation Indonesiens hin zur Elektromobilität eine der ehrgeizigsten industriepolitischen Initiativen in Südostasien darstellt. Gestützt durch einen starken politischen Willen, ein wachsendes Netzwerk an Anreizen und einen strategischen Fokus auf Lokalisierung und Ressourcenintegration positioniert sich das Land als bedeutender Akteur in der globalen Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge. Trotz bestehender Herausforderungen, insbesondere bei der Normung und Infrastruktur, ist die Richtung klar: Indonesien entwickelt sich nicht nur zu einem Markt für Automobile, sondern wird zunehmend zu einem Hersteller, Innovator und Exporteur von Lösungen für die elektrische Mobilität.

Pang Yu, Mo Dongli, Wang Quan Yong, Guangxi Institute of Standards and Technology, China Standardization, DOI: 10.3969/j.issn.1002-5944.2024.03.042

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