Neues Simulationsmodell verbessert Vorhersagegenauigkeit für E – Auto – Wärmepumpen

Neues Simulationsmodell verbessert Vorhersagegenauigkeit für E-Auto-Wärmepumpen

Die Entwicklung effizienter Wärmesysteme für Elektrofahrzeuge (EVs) ist eine der entscheidenden Herausforderungen der Automobilindustrie im Zeitalter der Elektrifizierung. Während Verbrennungsmotoren ihre Abwärme für die Kabinenheizung nutzen können, müssen Elektrofahrzeuge vollständig auf elektrische Wärmepumpen angewiesen sein, um im Winter eine angenehme Innenraumtemperatur zu gewährleisten. Dies stellt eine erhebliche Belastung für die Batterie dar und kann die Reichweite eines Fahrzeugs unter extremen Bedingungen um bis zu 40 Prozent reduzieren. Um dieses Problem zu lösen, setzen viele Hersteller auf sogenannte „Vapor Injection“-Technologie, auch bekannt als „Zwischenverdichtung“ oder „Mehrfachverdichtung“. Diese Technik ermöglicht es, zusätzlichen Kältemittelstrom während des Kompressionsprozesses in die Verdichterkammer einzuspeisen, was die Heizleistung erhöht und gleichzeitig die Austrittstemperatur senkt – eine entscheidende Voraussetzung für die Zuverlässigkeit und Lebensdauer des Verdichters.

Ein Forschungsteam der University of Shanghai for Science and Technology hat nun einen entscheidenden Durchbruch in der Simulation dieser Technologie erzielt. In einer bahnbrechenden Studie, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Fluid Machinery, stellen Hu Jiayun, Miao Yanming, Tan Mingfei, Zhang Bin, Li Chao, He Qize, Wang Jiayun und Li Kang ein neuartiges eindimensionales Simulationsmodell vor, das die realen physikalischen Effekte von Innenleckagen und Wärmeübertragung in Kurzprofil-Wirbelverdichtern mit Zwischenverdichtung erstmals mit hoher Genauigkeit abbildet. Dieses Modell verschiebt den Fokus von idealisierten, theoretischen Berechnungen hin zu einer realitätsnahen Vorhersage des tatsächlichen Betriebsverhaltens – ein entscheidender Schritt für die zukünftige Entwicklung leistungsfähigerer und effizienterer Wärmepumpensysteme für Elektrofahrzeuge.

Der Kern des Problems liegt in den bisher verwendeten Simulationsansätzen. Traditionell basieren Ingenieure auf sogenannten isentropen Modellen, die davon ausgehen, dass der Kompressionsprozess reibungsfrei, ohne Wärmeverluste und ohne Leckagen abläuft – eine Annahme, die in der Praxis nicht zutrifft. Diese vereinfachten Modelle führen oft zu überoptimistischen Prognosen: Sie unterschätzen die Austrittstemperatur, überschätzen die Heizleistung und den Wirkungsgrad (COP), da sie die Energieverluste durch Leckagen und Wärmeaustausch mit der Umgebung ignorieren. Die Folge ist, dass Prototypen im Testbetrieb nicht die erwartete Leistung erbringen, was zu kostspieligen und zeitaufwändigen Entwicklungszyklen führt. Die Notwendigkeit, eine genauere und zuverlässigere Simulationsmethode zu entwickeln, war daher offensichtlich.

Die Forschergruppe unter der Leitung von Li Kang, stellvertretender Professor am Institut für Energiemanagement und Kraftanlagen an der University of Shanghai for Science and Technology, hat sich genau diesem Problem angenommen. Ihr Ansatz war es, die beiden wichtigsten Quellen für Abweichungen zwischen Theorie und Praxis systematisch in ein mathematisches Modell zu integrieren: Innenleckagen und Wärmeübertragung. Innenleckagen entstehen durch winzige Spalte zwischen dem rotierenden und dem stationären Wirbel, die unvermeidbar sind, selbst bei hochpräziser Fertigung. Wenn während des Kompressionszyklus ein Druckgefälle zwischen zwei benachbarten Kammern besteht, strömt Kältemittel durch diese Spalte von der hohen zur niedrigen Druckseite, was den effektiven Förderstrom reduziert und die Effizienz mindert. Gleichzeitig findet ein kontinuierlicher Wärmeaustausch zwischen dem heißen Kältemittel in der Kammer und den kühleren Metallwänden des Verdichters statt. Dieser Prozess kühlt das Kältemittel während der Kompression, was den Energiebedarf für die Verdichtung beeinflusst und die Endtemperatur am Austritt senkt.

Das von den Forschern entwickelte Modell ist ein eindimensionaler, winkelbasierte Ansatz, der den gesamten Kompressionszyklus in kleine Inkremente unterteilt, typischerweise pro Grad der Drehung der Hauptwelle. Für jeden dieser Schritte berechnet das Modell die Änderung von Volumen, Druck, Temperatur und Enthalpie in jeder aktiven Kammer unter Berücksichtigung der drei kritischen Faktoren: der Hauptmasse, die durch die Saugleitung eintritt, der Zusatzmasse, die über die Zwischenverdichtungsöffnung eingeleitet wird, und der verlorenen Masse, die durch die Innenleckagen entweicht. Gleichzeitig wird die Wärmeübertragung zwischen dem Kältemittel und den Wirbelwänden über einen konvektiven Wärmeübergangskoeffizienten berechnet, der auf etablierten Korrelationen für Wärmetauscher basiert. Diese Kombination aus Massenerhaltung und Energieerhaltung auf einer diskretisierten Zeitskala ermöglicht eine dynamische und realistische Simulation des gesamten Prozesses.

Um die Genauigkeit ihres Modells zu validieren, führte das Team umfangreiche Experimente an einem speziell für Elektrofahrzeuge entwickelten Kurzprofil-Wirbelverdichter mit einer Hubraum von 38 cm³/r durch. Der Verdichter verfügt über zwei Paar kreisförmiger Zwischenverdichtungsöffnungen, die symmetrisch angeordnet sind. Die Tests wurden auf einem hochpräzisen Prüfstand durchgeführt, der nach der Sekundärkältemittel-Kalorimetrie-Methode arbeitet – einem international anerkannten Standard für die Leistungsmessung von Verdichtern. Dieses Verfahren ermöglicht eine äußerst genaue Bestimmung von Heizleistung, Leistungsaufnahme, Massenstrom und Austrittstemperatur.

Die Prüfbedingungen orientierten sich an der Norm GB/T 22068—2018 für elektrische Kompressoren in Fahrzeugklimaanlagen und simulierte eine typische Winterheizsituation: eine Verdampfungstemperatur von -15 °C und eine Kondensationstemperatur von 35 °C. Diese Bedingungen stellen eine große Herausforderung für jede Wärmepumpe dar, da die Leistung bei tiefen Außentemperaturen stark abnimmt. Die Tests wurden bei zwei Drehzahlen durchgeführt – 5.000 und 6.000 U/min – und bei fünf verschiedenen Zwischenverdichtungsdrücken, einschließlich eines Zustands ohne Zwischenverdichtung. Als Kältemittel wurde R134a verwendet, ein gängiger Stoff in Automobilanwendungen, kombiniert mit dem Schmierstoff FVC68D.

Die Ergebnisse der Simulation wurden direkt mit den experimentellen Messwerten verglichen. Die Übereinstimmung war bemerkenswert. Für alle untersuchten Parameter – Gesamtkältemittel-Massenstrom, Kompressorleistung, Heiz-COP, Heizleistung und Austrittstemperatur – lag der maximale Fehler zwischen Simulation und Experiment bei allen Betriebszuständen unter 8 Prozent. Bei einer Drehzahl von 5.000 U/min betrug der Fehler für die Heizleistung nur 4,3 Prozent und für die Austrittstemperatur sogar nur 2,1 Prozent. Selbst bei der höheren Drehzahl von 6.000 U/min, wo dynamische Effekte wie Trägheit und Turbulenz stärker ausgeprägt sind, blieben die Fehler bei 6,1 Prozent für die Heizleistung und 2,8 Prozent für die Austrittstemperatur. Diese Genauigkeit ist für ein eindimensionales Modell außergewöhnlich und übertrifft die Leistungsfähigkeit traditioneller isentroper Modelle bei weitem.

Zur Verdeutlichung des Fortschritts verglichen die Forscher die Ergebnisse ihres neuen Modells direkt mit denen eines klassischen isentropen Modells unter denselben Bedingungen. Die Abweichungen waren dramatisch. Das isentrope Modell überschätzte die Heizleistung und unterschätzte die Austrittstemperatur um bis zu 20 Prozent. Dieser Fehler entsteht, weil das isentrope Modell die Innenleckagen komplett vernachlässigt und somit einen unrealistisch hohen volumetrischen Wirkungsgrad annimmt. Ein höherer Massenstrom führt direkt zu einer höheren berechneten Heizleistung und einem höheren COP. Gleichzeitig führt die Annahme eines adiabatischen Prozesses (kein Wärmeverlust) dazu, dass die berechnete Austrittstemperatur zu niedrig ausfällt. Diese systematischen Fehler können zu falschen Designentscheidungen führen, beispielsweise wenn ein Verdichter aufgrund der Simulation als ausreichend dimensioniert erscheint, aber in der Praxis aufgrund zu hoher Temperaturen überhitzt und ausfällt.

Die Studie lieferte auch wertvolle Einblicke in das komplexe Verhalten von Zwischenverdichtungssystemen. Ein besonders interessantes Phänomen, das sowohl in den Simulationen als auch in den Experimenten beobachtet wurde, ist der Anstieg der Austrittstemperatur bei sehr hohen Zwischenverdichtungsdrücken. Intuitiv würde man erwarten, dass mehr Zwischenverdichtung immer zu einer besseren Kühlung führt. Die Daten zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Wenn der Druck (und damit die Temperatur) des eingespeisten Kältemittels höher ist als die Temperatur des Kältemittels in der Verdichterkammer zum Zeitpunkt der Einspeisung, wird das eingespeiste Kältemittel nicht gekühlt, sondern erhitzt. Es fungiert dann nicht mehr als Kühlmittel, sondern als zusätzliche Wärmequelle, was die Austrittstemperatur erhöht. Diese Erkenntnis ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung intelligenter Steuerungsalgorithmen, die den Zwischenverdichtungsdruck dynamisch anpassen, um die optimale Balance zwischen hoher Heizleistung und niedriger Austrittstemperatur zu finden.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Drehzahl des Verdichters. Die Forscher beobachteten, dass sich die Effekte von Leckage und Wärmeübertragung mit der Drehzahl ändern. Bei höheren Drehzahlen ist die Zeit, die das Kältemittel in jeder Kammer verbringt, kürzer. Dies reduziert die Zeit für den Wärmeaustausch mit den Wänden, was den Prozess adiabatischer macht und die Austrittstemperatur leicht erhöht. Gleichzeitig führen höhere Druckgradienten und Strömungsgeschwindigkeiten jedoch zu einer Erhöhung der Leckageraten. Das neue Simulationsmodell ist in der Lage, diese gegensätzlichen Effekte zu erfassen und liefert so eine ausgewogene und realistische Vorhersage über einen weiten Betriebsbereich.

Die praktischen Auswirkungen dieser Forschung sind weitreichend. Ein solch genaues Simulationswerkzeug ermöglicht es Automobilherstellern und Zulieferern, die Entwicklung ihrer Wärmepumpensysteme erheblich zu beschleunigen und zu optimieren. Ingenieure können nun verschiedene Verdichtergeometrien, unterschiedliche Positionen und Formen der Zwischenverdichtungsöffnungen sowie verschiedene Steuerungsstrategien virtuell testen, bevor ein einziger Prototyp gebaut wird. Dies spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern führt auch zu besseren Produkten. Das Modell kann verwendet werden, um den optimalen Zeitpunkt für die Einspeisung des Kältemittels zu bestimmen, die Form der Öffnungen zu optimieren, um Turbulenzen zu minimieren, und die Dicke der Wirbelwände zu gestalten, um den Wärmeübergang zu maximieren.

Darüber hinaus ist die präzise Vorhersage der Austrittstemperatur entscheidend für die Zuverlässigkeit. Zu hohe Temperaturen können die Schmierfähigkeit des Öls beeinträchtigen, zu einer Zersetzung des Kältemittels führen und letztendlich den Verdichter beschädigen. Mit dem neuen Modell können Ingenieure „worst-case“-Szenarien simulieren und sicherstellen, dass ihre Designs auch unter extremen Bedingungen sicher betrieben werden können. Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die Shanghai Fire Research Institute, ein Teil des Ministeriums für Notfallmanagement, an dieser Studie beteiligt war – ein Hinweis auf die Bedeutung der thermischen Sicherheit in Hochleistungsanwendungen.

Langfristig trägt diese Forschung direkt zur Verbesserung der Reichweite und des Komforts von Elektrofahrzeugen bei. Eine effizientere Wärmepumpe verbraucht weniger elektrische Energie aus der Batterie, um die Kabine zu heizen. Dies bedeutet mehr Kilometer pro Ladung, besonders in kalten Klimazonen. Für den Verbraucher bedeutet dies weniger Reichweitenangst und eine bessere Gesamterfahrung mit dem Elektrofahrzeug. Die Arbeit von Hu Jiayun und ihren Kollegen ist daher nicht nur ein akademischer Erfolg, sondern ein konkreter Beitrag zur Beschleunigung der Akzeptanz von Elektromobilität.

Das Modell ist auch eine solide Grundlage für zukünftige Forschung. Es kann relativ einfach auf andere Kältemittel erweitert werden, insbesondere auf umweltfreundlichere Alternativen mit niedrigem Treibhauspotenzial (GWP) wie R1234yf oder Kohlendioxid (R744). Darüber hinaus kann es in umfassendere Systemsimulationen integriert werden, die nicht nur den Verdichter, sondern auch den Verdampfer, den Kondensator, die Expansionsventile und die dynamische Wärmespeicherung der Fahrzeugkabine berücksichtigen. Ein solches ganzheitliches Modell wäre in der Lage, das gesamte thermische Management eines Elektrofahrzeugs – einschließlich der Batteriekühlung, der Motor- und Leistungselektronikkühlung und der Kabinenklimatisierung – zu optimieren und die Energieeffizienz des gesamten Fahrzeugs zu maximieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die von Hu Jiayun, Miao Yanming, Tan Mingfei, Zhang Bin, Li Chao, He Qize, Wang Jiayun und Li Kang vorgestellte Studie einen bedeutenden Fortschritt in der Thermodynamik von Wirbelverdichtern für Elektrofahrzeuge darstellt. Indem sie die realen physikalischen Effekte von Leckagen und Wärmeübertragung in ein präzises eindimensionales Simulationsmodell integrieren, haben sie ein Werkzeug geschaffen, das die Brücke zwischen theoretischer Berechnung und praktischer Anwendung schlägt. Die umfassende experimentelle Validierung unter realistischen Winterbedingungen bestätigt die hohe Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Modells. Diese Arbeit liefert nicht nur tiefere Einblicke in die komplexen Abläufe innerhalb eines Verdichters, sondern bietet auch einen praktischen und wertvollen Ansatz für die Industrie, um leistungsfähigere, effizientere und zuverlässigere Wärmepumpensysteme für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen zu entwickeln.

Hu Jiayun, Miao Yanming, Tan Mingfei, Zhang Bin, Li Chao, He Qize, Wang Jiayun, Li Kang. Thermodynamic study of vapor injection scroll compressors for electric vehicles considering internal leakage and heat transfer. Fluid Machinery, 2024, 52(11): 97-104. doi:10.3969/j.issn.1005-0329.2024.11.013

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